Bilder: OW und CR

55 Jahre Dietrich-Bonhoeffer-Kirchengemeinde (1971 - 2026)

Am Sonntag, 28.06.2026, fand ein festlicher Gottesdienst zum 55-jährigen Jubiläum der Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde statt.

Musikalisch begleitet wurde der Gottesdienst durch Orgel, Posaunenchor und Projektchor.

Zu diesem Anlaß hielt das langjährige Kirchenvorstandsmitglied, Herr Ernst-Dietrich Lorenz den folgenden Festvortrag:

55 Jahre Dietrich-Bonhoeffer-Kirchengemeinde Hannover-Groß-Buchholz

„Von Menschen gebaut – von Gott getragen“

Liebe Festgemeinde,
55 Jahre Dietrich-Bonhoeffer-Kirchengemeinde – das ist ein Anlass zur Freude, zur Dankbarkeit und auch zur Besinnung.

Wenn wir heute hier zusammen sind, dann feiern wir nicht nur ein Datum. Wir feiern Menschen.

  • Menschen, die diese Gemeinde gegründet, aufgebaut, geprägt und getragen haben.
  • Menschen, die hier gebetet, gesungen, gelacht und geweint haben.
  • Menschen, die Trost gefunden, Hoffnung erfahren und Gemeinschaft erlebt haben.

Vor allem aber feiern wir Gottes Treue, die unsere Gemeinde seit nunmehr 55 Jahren begleitet hat.

Die Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde wurde 1971 im neu entstehenden Stadtteil Roderbruch gegründet. Die rasch wachsende Wohnsiedlung brauchte nicht nur Wohnungen, Schulen und Geschäfte, sondern auch einen Ort für Glauben, Begegnung und Gemeinschaft. So entstand eine neue evangelische Kirchengemeinde mitten in einem jungen Stadtteil.

In den ersten zehn Jahren residierte die Gemeinde in einer Baracke in der Milanstraße. Schon damals wurde der Gedanke des Miteinanders im Sinne Dietrich Bonhoeffers gelebt: Bis zur Weihe der St. Martinskirche in der Nußriede war die katholische Gemeinde gast bei uns.

Damals konnte niemand ahnen, welche Entwicklungen die folgenden Jahrzehnte bringen würden. Doch die Gründerinnen und Gründer hatten eine Vision: Kirche sollte dort sein, wo Menschen leben.

Dieser Gedanke prägt unsere Gemeinde bis heute.

Dass unsere Gemeinde den Namen Dietrich Bonhoeffer trägt, ist mehr als eine historische Erinnerung.

Bonhoeffer war Theologe, Widerstandskämpfer und Märtyrer. Er stand für einen Glauben, der nicht nur im Gottesdienst sichtbar wird, sondern im Alltag Gestalt gewinnt.

Sein berühmter Satz:

„Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist.“

klingt auch nach mehr als achtzig Jahren immer noch erstaunlich aktuell.

Er erinnert uns daran, dass Kirche niemals Selbstzweck ist. Kirche lebt von der Hinwendung zu den Menschen.

  • Zu denen, die Hilfe brauchen.
  • Zu denen, die Fragen haben.
  • Zu denen, die Gemeinschaft suchen.

Wenn wir auf die Geschichte unserer Gemeinde schauen, erkennen wir viele Spuren dieses Gedankens.

Ein Ort der Begegnung

Mit der Einweihung der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche und des Gemeindezentrums im Jahr 1981 erhielt die Gemeinde ihr sichtbares Zuhause am Roderbruchmarkt. Kirche und Gemeindezentrum wurden bewusst als Ort der Begegnung gestaltet – nicht nur für den Gottesdienst, sondern für das gesamte Leben der Gemeinde.

Seitdem haben unzählige Menschen hier ihre Spuren hinterlassen:

  • Kinder in den Kindergottesdiensten und Gruppen,
  • Jugendliche in Freizeiten und Projekten,
  • Erwachsene in Chören, Gesprächskreisen und Ehrenämtern,
  • Seniorinnen und Senioren bei Begegnungen und Veranstaltungen.

Es waren immer Gästegruppen im Haus; um nur einige zu nennen:

  • die Brüdergemeinde mit Aussiedlern aus Russland,
  • Zeitweilig eine Koreanische Gemeinde,
  • Das diakonische Werk mit den Leinelotsen, das zum Wohle der Menschen im Stadtteil ständiger Gast im Hause ist und
  • z. Zt. eine Gruppe Ukrainischer Flüchtlinge, die unter unserem Dach versuchen, etwas zur Ruhe zu kommen und sich das Einleben in Deutschland zu erleichtern.

Herausragende Ereignisse sind immer wieder

  • die jährlichen Pfingstgottesdienste, zuerst auf der Wiese am Osterfelddamm und seit langem nun schon auf dem Roderbruchmarkt, also wirklich mitten im Stadtteil und
  • die seit einigen Jahren gefeierte Vesperkirche, in deren Verlauf die Einbettung in den Stadtteil besonders deutlich wird.

Viele Menschen verbinden mit dieser Kirche ganz persönliche Erinnerungen:

  • Taufen und Konfirmationen,
  • Trauungen,
  • Jubiläen,
  • Abschiede von geliebten Menschen.

Wie man sieht wird Kirche dort lebendig, wo Menschen ihre Lebensgeschichte mit ihr verbinden.

Wandel als Teil der Geschichte

55 Jahre sind eine lange Zeit.

Die Welt hat sich verändert.

Die Gesellschaft hat sich verändert.
Und auch die Kirche hat sich verändert.

Viele Gewissheiten früherer Jahrzehnte gelten heute nicht mehr als selbstverständlich. Die Kirchenmitgliedschaft geht zurück, finanzielle und personelle Ressourcen werden knapper.

Doch jede Generation stand vor ihren eigenen Herausforderungen.

Die Gründerinnen und Gründer mussten eine Gemeinde im Neubaugebiet aufbauen.

Spätere Generationen entwickelten neue Formen von Gemeindearbeit, eröffneten Begegnungsräume und reagierten auf gesellschaftliche Veränderungen.

Und auch heute stellt sich die Frage:

Wie kann Kirche in Zukunft für die Menschen da sein?

Dank an die Menschen dieser Gemeinde

Ein Jubiläum ist vor allem ein Anlass zum Danken.

Wir danken den Pastorinnen und Pastoren, die die Gemeinde begleitet haben.

Wir danken den Kirchenvorständen, die Verantwortung übernommen haben.

Wir danken den hauptamtlichen Mitarbeitenden.

Und wir danken besonders den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern.

Denn Gemeinden leben nicht von Gebäuden allein. Sie leben von Menschen, die Zeit schenken, Verantwortung übernehmen und ihre Begabungen einbringen.

  • Wer einen Gottesdienst vorbereitet,
  • wer Musik macht,
  • wer Kinder begleitet,
  • wer einen Besuchsdienst übernimmt,
  • wer Kaffee kocht,
  • wer organisiert oder zuhört –

all diese Menschen bauen Kirche.

Oft geschieht das im Verborgenen, aber ohne sie gäbe es keine lebendige Gemeinde.

Wir danken all den vielen Menschen für ihren Einsatz, den sie zum Wohle anderer Menschen und zum Lobe Gottes geschenkt haben!

Gegenwart und Zukunft

Wir feiern heute nicht nur die Vergangenheit.

Wir feiern auch die Gegenwart.

Die Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde ist heute ein lebendiger Ort des Glaubens und der Gemeinschaft. Regelmäßige Gottesdienste, musikalische Angebote, Gruppen für unterschiedliche Altersstufen und vielfältige Begegnungsmöglichkeiten zeigen, dass hier weiterhin ein aktives Gemeindeleben stattfindet.

Gleichzeitig steht die Gemeinde vor neuen Entwicklungen. Die geplante Fusion mit der Kirchengemeinde Groß-Buchholz zum Beginn des Jahres 2027 zeigt, dass Kirche bereit sein muss, neue Wege zu gehen, um ihren Auftrag auch künftig erfüllen zu können.

Veränderung bedeutet nicht Verlust.

Veränderung kann auch die Chance sein, Bewährtes zu bewahren und Neues zu wagen.

Gerade Dietrich Bonhoeffer wusste: Christlicher Glaube bedeutet Vertrauen – auch dann, wenn die Zukunft noch nicht vollständig sichtbar ist.

Ausblick

Wenn wir heute auf 55 Jahre zurückblicken, dann dürfen wir mit Dankbarkeit sagen:

Vieles hat sich verändert.
Aber eines ist geblieben:

Gott hat diese Gemeinde begleitet.

Er hat Menschen zusammengeführt.
Er hat Hoffnung geschenkt.
Er hat Trost gegeben.
Er hat neue Wege eröffnet.

Darum dürfen wir voller Zuversicht nach vorne schauen.

Mögen auch die kommenden Jahre geprägt sein von dem Geist, der diese Gemeinde von Anfang an getragen hat:

von Glauben und Vertrauen,
von Offenheit und Nächstenliebe,
von Mut und Hoffnung.

In diesem Sinne gratuliere ich der Ev.-luth. Dietrich-Bonhoeffer-Kirchengemeinde Hannover-Groß-Buchholz, die ja auch meine Gemeinde ist, herzlich zu ihrem 55-jährigen Bestehen.

Ich wünsche uns Gottes Segen für die Zukunft dieser und der sich neu formenden Gemeinde. Ich vertraue darauf, ja ich bin mir sicher, dass Gott auch diese neue Gemeinde tragen und begleiten wird!

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!